Die Meditation über den Tod



"Alle früheren Geburten flogen vor seinen Augen vorbei, als er sich daran erinnerte: Orte, Namen, und alle Geburten bis zu seiner letzten Geburt. Er kannte alle seinen Geburten und alle seine Tode - Hunderte, Tausende, Myriaden".

Aschwaghoscha, "Buddahs Leben".

Das, was die Menschen gewohnt sind, als "Tod" zu bezeichnen, stellt keine unmittelbare Erfahrung dar, sondern nur ein Begriff, den die Menschen, die keine Gabe des Hellsehens besitzen, aus visueller Beobachtung rein äusserer Ereignisse während des Übergangs des menschlichen Bewusstseins auf das andere Niveau seiner Existenz abgeleitet haben. Deshalb muss die Mehrheit der Menschen, damit sie diese Erscheinung möglichst vollständig versteht und die Angst vor ihr überwindet, versuchen nicht den Tod selbst zu überwinden, sondern seine Auffassung, und die Vorstellung von dieser Erscheinung gründlich zu durchdenken.

Das Problem des psychologischen Sieges über den Tod ist rein subjektiv und kann nur durch subjektives Erleben und unmittelbare innere Erfahrung eines Menschen gelöst werden, der versucht, seine eigene Lösung dieses Problems zu finden. In jedem Fall des Sterbens können wir, objektiv gesehen, nur von dem Anhalten leiblicher Funktionen und von Verwesung körperlicher Organe des Sterbenden sprechen, die diese Funktionen zu seinen Lebzeiten ermöglicht haben.

Es besteht eine andere Frage: und was ist mit den Kräften und Energien geschehen, die diese Organe gebildet haben und sie funktionieren liessen? Man kann diese Frage nicht richtig beantworten bis euer Bewusstsein sich von den äusseren Objekten löst und eure Aufmerksamkeit ins Innere der Erscheinung des Sterbens oder des Todes gerichtet wird.

Dieses Problem kann man allein durch den Verstand nicht lösen, auch wenn man viele Bücher zu diesem Thema gelesen hat und sich selbst durch Analyse überzeugt, dass die Anschauung eines Anderen richtig ist. Um die Angst vor dieser unvermeidlicher Notwendigkeit vollständig loszuwerden, ist es notwendig, seine eigene unmittelbare Erfahrung eines bewussten Erlebnis dieses psychophysischen Prozesses zu bekommen.

Im Buch "Geist und Seele" haben wir ziemlich ausführlich das beschrieben, was wir unter dem Begriff "Ego" meinen. Eine kennzeichnende Eigenschaft des menschlichen Verstandes ist sein Streben nach der Objektivität. Das ist richtig und nützlich solange wir uns in der Welt befinden, die von Objekten oder Dingen überfüllt ist, dass heisst in der materiellen, begrenzten und genau bezeichneten Welt.

Aber diese Objektivität wird falsch und völlig nutzlos, wenn wir uns mit den Fragen beschäftigen, die mit dem Wesen des Menschen und mit dem tieferen Sinn der individuellen Existenz verbunden sind. Genauso wie man "Ego" nicht empfinden kann, kann man auch den Tod nicht empfinden, denn sie sind nur Bestandteile einer und derselben hochgeistigen Erscheinung - des Lebens des Geistes.

Kennzeichnende Merkmale sowohl für den Tod als auch für das "Ego" sind Abstraktheit und Beschränktheit sowie eine künstliche Bestimmung ihrer Grenzen vom unvollkommenen menschlichen Verstand, der nicht imstande ist, die feinen Vibrationen zu empfinden, die die psychoenergetische Grundlage dieser Erscheinungen darstellen. Solange der Mensch imstande ist, durch sein Bewusstsein irgendetwas zu wahrzunehmen, kann er nicht als tot gelten.

Das heisst, dass wenn ihr den Prozess des Sterbens oder des Todes bewusst beobachten könnt, würdet ihr euch durch eure eigene Erfahrung überzeugen, dass der Tod den, der ihn erlebt, nicht vernichtet, und dass der Tod folglich nicht das ist, wofür wir ihn gehalten haben. Gerade dies ist das Ziel, das wir uns setzen, wenn wir weiter die esoterischste Technik, die Meditieren übers euer Sterben, euren eigenen Tod anbieten.

Das Sterben ist eine wahre Kunst. Es ist bedeutender und notwendiger für den Menschen als alle anderen Künste. Wenn die Seele diese Kunst einmal erlernet, wird sie diese nie vergessen und kann sie bei der Erforschung anderer Realitäten ihrer Existenz benutzen. Wer diese Kunst beherrscht, besiegt den Tod für immer, denn ein solcher Mensch versteht deren wohltuenden Sinn und seine ganze befreiende Rolle.

Sobald ihr beginnt, mit dem Tod frei und ruhig zu fühlen, werdet ihr das Leben erreichen, das niemals unterbrochen werden kann. Um die Kunst des Sterben zu erlernen, um das finden zu können, was über die Grenzen des Lebens und Todes hinaus geht, muss man lernen, sowie das Leben als auch den Tod zu benutzen.

Man muss absolut klar verstehen, dass das irdische menschliche Leben und das ihm nachfolgendes sogenanntes Leben "nach dem Tode" der menschlichen Persönlichkeit eine ununterbrochene Kette einander abwechselnder Zustände des Bewusstseins darstellen. Der erste verkörperte Zustand des Bewusstseins beginnt mit der Geburt des Menschen in dieser Welt nach dem "Sterben dort" und der erste entkörperte Zustand des Bewusstseins beginnt im Augenblick des Todes der Persönlichkeit "hier" und anschliessend ihrer neuen Geburt "dort".

Man muss sofort jene unbestreitbare Tatsache anerkennen, dass der Tod eins der wichtigsten Ereignisse in der Existenz der menschlichen Seele ist. Der Tod ist das Wichtigste, was in eurem irdischen Leben geschehen muss, das ist der Höhepunkt eurer ganzen irdischen Existenz, das ist das Ziel des Lebens: alles Lebende bewegt sich zum Tod. Euer Tod wurde mit euch geboren; sobald ihr zur Welt gekommen seid, könnt ihr von ihm nicht mehr fliehen.

Der Tod ist in euch von Anfang an verborgen, seit dem Augenblick eures ersten Schreis und eures ersten Atemzug in dieser Welt lebt er ständig in euch, um euch unablässig durch dass Leben zu begleiten. Eure Hauptaufgabe ist seiner Fatalität und der Tatsache seiner Unvermeidlichkeit rechtzeitig bewusst zu werden. Man muss es unbedingt begreifen und ständig im Gedächtnis behalten, denn solange ihr den Sinn eures Todes nicht begreift, werdet ihr den Sinn eures ganzen irdischen Lebens auch nicht begreifen.

Denn in demselben Augenblick, wo es euch vollkommen bewusst wird, dass ihr jeden Augenblick sterben könnt, dass der Tod absolut unvermeidlich ist, beginnt euer ganzer Verstand in einer ganz anderen Richtung und in anderer Dimension zu arbeiten. Dann werden für euch Nahrung und sinnliches Vergnügen nur zu einem grundlegenden Bedürfnis des Körpers, aber zu keiner Anregung eurer ganzen Existenz.

Die Bewusstwerdung der Unvermeidlichkeit des eigenen Todes verändert euer ganzes Leben, zwingt euch anzuhalten und über den Sinn eurer Existenz nachzudenken, alle "Werte" und Prioritäten zu überprüfen, die bis zu diesem Augenblick den Sinn eures ganzen Lebens gebildet haben. Erst nachdem ihr eures eigenen Todes, seiner Unvermeidlichkeit in jedem Augenblick bewusst werdet, werdet ihr in euch ein Bedürfnis erschaffen, zurückzuschauen.

Diejenigen, die wir aus Unwissenheit für sich selbst halten, sind bloss zeitweilige, sterbliche Wesen, denn das Los jeder Persönlichkeit, wie hoch geistig entwickelt sie auch sein mag, ist der Tod. Wenn ihr aber dieser Tatsache völlig bewusst geworden seit, werdet ihr keine Zeit dafür haben so zu leben, wie ihr vorher gelebt habt - sorglos, unordentlich und ohne an die möglichen Folgen nicht nur eurer Handlungen und Worte, sondern auch eurer Gedanken zu denken.

Deshalb solltet ihr noch während eures irdischen Lebens wenigstens versuchen, so tief wie möglich in den Ton hineinzuschauen, um im Laufe der kurzen Zeit, die für das Leben "hier" gegeben wurde, die Fähigkeit zu erwerben, jeden Augenblick furchtlos und im Idealfall froh und optimistisch, seinen Tod "Auge in Auge" zu begegnen.

Wenn ihr das aber nicht erlernt, wenn ihr mit allen Kräften eures Verstandes versucht euren Tod zu meiden. Ihr werdet ihr gar nicht merken, wie bald diese Angst euch zwingen wird, auch den Leben meiden und alle seine lehrenden und die Seele bereichernden ausserordentlichen Möglichkeiten ängstlich zu fürchten. Und gerade deshalb wird euch euer ganzes illusorisches, von ständiger Angst erfülltes Leben mit jedem Augenblick und unbedingt zum wahren Tod führen.

Für die meisten Menschen ist es nicht so einfach, mit ihrem ganzen begrenzten und ängstlichen Verstand die Unvermeidlichkeit des eigenen Todes anzuerkennen. Aber wenn ihr es aber schafft, wird euer Leben sofort leichter und fröhlicher, denn euer eigener Tod im Grunde genommen ein einzigartiger Augenblick der Erscheinungsform des ewigem Leben eures Bewusstseins darstellt und euch sehr, sehr Vieles lehren kann: eine tiefe Weltanschauung, Ablehnung von augenblicklichen Werten und scheinbaren Prioritäten, Furchtlosigkeit und das Können seine Ehre und Würde auch in den kritischsten Situationen zu bewahren.

Das Ziel, den Tod zu vermeiden und sein Leben um jeden Preis zu verlängern, setzen sich nur diejenigen, die zu sehr an die äusseren Aspekte ihres Lebens gebunden sind, sowie an das scheinbare Wohl, die Gefühle und Emotionen, die mit dem Aufenthalt der Persönlichkeit im physischen Körper verbunden sind. Ein ähnliches Ziel setzen sich auch diejenigen, die Hatha-Joga für die Verlängerung ihres Lebens benutzen. Aber dazu werden viele von ihnen nicht durch die Angst vor dem Tode oder eine äusserst grosse Liebe zum Leben bewegt, sondern es ist vielmehr ein Forschungsinteresse an der gegebenen Existenzform des Geistes in der Welt der Erscheinungen und die Verwendung des Lebens zum Erreichen der weiteren Grenzen und Möglichkeiten der physischen Persönlichkeit.

Merkt euch: nur durch die Tatsache eures Todes könnt ihr in eurer eigenen geistigen Entwicklung nichts erreichen. Jede geistige Leistung kommt schrittweise, durch euer fortlaufendes Leben, durch die Qualität der Energien, aus welchen das Leben besteht und die ihrerseits auch die Qualität des Todes selbst bestimmen.

Der Tod ist eine Abschlussprüfung für die irdische menschliche Persönlichkeit, aber wiederum nur bezüglich jener Aspekte, die ihr IRDISCHES Leben betreffen. Man muss immer daran denken, dass der Tod alles vernichten wird, was nicht euer wahres "Ich" ist; alles Illusorische, Ungeistige, Fremde wird weggenommen und wenn es den grösseren Teil eures Wesens darstellt, dann bedeutet dies, dass nach dem Tode des physischen Körpers von euch und eurer irdischen Persönlichkeit nur wenig übrigbleiben wird.

Den Tod kann man auch mit dem letzten Urteil vergleichen, der den Grad der Erfüllung der Aufgabe der menschlicher Seele in der gegebenen Verkörperung zusammenfasst und die Qualität der von ihr erarbeiteten Energien, durch die eine konkrete Persönlichkeit ihre irdische Existenz gewährleistet, einschätzt. Der Tod setzt nur den letzten Punkt im irdischen Leben jedes Menschen wie ein leidenschaftsloser und gerechter Richter.

Und dann wird sicherlich und unwiderruflich nicht nur das letzte Wort des Sterbenden, sondern auch sein letzter Gedanke, sein letzter stärkster Wunsch, wie ein im Leiden hervorgebrachtes Ergebnis des ganzen Lebens zu dem letzten Urteil hinzugefügt werden und soll unbedingt von Mengen himmlischer "Gerichtsvollzieher" nach der endgültigen Erscheinung des Menschen in der feinen Welt erfüllt werden.

Wenn die Liebe eines Menschen gross war, wenn er wirklich aufrichtig wenigstens etwas oder jemanden geliebt hat, unabhängig von physischen Bedingung und der Qualität seines irdischen Lebens, und wenn sein Leben selbst ein glühendes Feuer der Liebe, Licht der Liebe für die anderen war, dann wird der Tod das letzte Kapitel seines irdischen Lebens mit der hell glühenden Flamme des Herzfeuers abschliessen.

Aber wenn der Tod euer Leben fest geschlossen hat, welches so armselig und unnütz war, dass es am Ende nur unerfüllte Hoffnungen auf die Zukunft darstellte und es weder euch noch den Menschen kein einziges wirklich helles Erlebnis gebracht hat, so wird euer Tod genauso nutzlos und fruchtlos wie auch euer ganzes nutzloses Leben war.

Dann werdet ihr mit eurem eigenen Tod gar nichts verlieren, aber ihr werdet auch dabei nichts ausser fruchtloser nutzlosez Hoffnungen bekommen. In diesem Fall je schneller ihr euch bewusst werdet, dass ihr nicht imstande sein werdet, in euer gewohntes Körper zurückzukehren, und je weniger günstiger Augenblicke ihr für eure Verklärung verpasst, desto schneller könnt ihr einen richtigen Weg unter den euch gebotenen karmischen Möglichkeiten wählen.

Wenn ihr aber in euer Sterben froh, ruhig und still gehen könnt, wenn ihr euch im Augenblick des Todes adäquat bewusst werden könnt, dann ist es möglich, dass euer künftiger Tod zum Augenblick der vollen Erleuchtung eures Bewusstseins werden kann. Euer Tod wird zu eurer Erleuchtung und befreit euch als Persönlichkeit augenblicklich von allem, was ihr in Wirklichkeit nie gewesen seid und zeigt Gott nach eurer postumen Verklärung Sein wahres Geschöpf.

Aber solange euer Leben euch nicht eitel wird, werdet ihr nie daran denken, seine Grenzen zu überschreiten. Man braucht nicht, die Einzelheiten des Todes näher zu betrachten, man braucht nicht, über ihn nachzudenken. Alleine die Bewusstwerdung, dass es den Tod gibt, wird euch helfen, sich nach innen zu bewegen, wird euch helfen, meditativ zu sein.

Tod und Erleuchtung sind zwei rein innere Prozesse, die viel Gemeinsames haben. Wenn ihr eine Erleuchtung eures Bewusstsein erreicht und euch selbst mit eigenen Augen überzeugen werden, dass ihr in Wirklichkeit gar keine einfache Gesamtheit von alledem seid, was eueren Körper personifiziert, wie ihr es früher angenommen habt, so verschwindet eure Personifizierung von euch selbst mit eurem Körper und die Angebundenheit mit ihm wird verloren gehen.

Für die meisten Menschen, die diese ihre neue Bewusstwerdung der Getrenntheit ihrer inneren und rein äusseren Existenz erlebt haben, nehmen ihr Tode sogar in einem noch grösseren Masse war, als es ihr gewöhnlicher physischer Tod wäre. In diesem Augenblick bemerkt man plötzlich jener riesengrosse Abgrund zwischen sich und dem physischen Körper, was früher als eins und dasselbe wahrgenommen wurde.

Wenn das Bewusstsein seine Arbeit nach dem Tode fortsetzt, beweisst dies, dass alles, was der Mensch für sich selbst hielt und sein Leben selbst sich sehr stark davon unterscheiden, was vor der Seele hinter der Schwelle des Sterbensprozesses erscheinen wird. Im Augenblick eines SOLCHEN Todes es bietet sich eine seltene Möglichkeit für die Befreiung der Seele. Das ist ein unschätzbares Geschenk, das bei ihrer vernünftiger Verwendung euch helfen kann, sich von vielen unvernünftigen Wünschen, Ängsten und Selbstsucht zu befreien. Auf diese Weise wird dem Licht eurer Seele die Möglichkeit gegeben, sich mit dem Licht der Göttlichen Wahrheit zu vereinigen.

Euer Tod kann für euch zu einem Tor werden, das eure Seele aus diesem oberflächlichen gewöhnlichen und illusorischen Leben hinausführt; Zu dem Tor, durch das man das unendliche Zyklus der Verkörperungen verlassen und den Kreis der sich ewig wiederholenden "Geburten" und "Toden" durchbrechen kann. Dieses Tor ist in euch und wenn ihr lernt, bei vollem Bewusstsein durch es zu gehen, erreicht ihr ein anderes Leben, ein tieferes und ewigeres, als euer jetziger Leben-Traum. Ihr erreicht das Leben ohne Tod.

Leider haben viele Menschen eine so grosse Angst vor ihrem eigenen Tode, dass wenn er zu ihnen endlich kommt, verlieren sie sofort vor lauter Angst, vor Ungewissheit, aus Angst vor "ihrer" vollen Vernichtung, ihr Bewusstsein und die astrale Strom, der vom Göttlichen Licht erfüllt ist, bringt sie durch dieses Tor im passiven Bewusstseinszustand und sie sehen dieses Licht nicht, sie verspüren keinen Wunsch, sich mit ihm zu vereinigen.

Dann werden sie einige Zeit später in diese Welt wiedergeboren und dieser unsinnige Wirrwarr, den man als "irdisches Leben" bezeichnet, beginnt von vorne. Und sie werden wieder leben, ohne an den bevorstehenden Tod zu denken und deshalb wird ihr Ende wieder dasselbe - eine volle Bewusstlosigkeit sein. Aber sobald ihr die Tatsache eures Todes akzeptiert und sie zu fühlen, mit ihr zu leben, ihr bewusst zu werden beginnt, werdet ihr allmählich und unentwegt beginnen, mit eurem ganzen Bewusstsein buchstäblich durch euer inneres Tor zu dringen, durch es zu strömen.

So wird sich die Tür eures künftigen Todes allmählich immer mehr und weiter öffnen. Ihr werdet durch diese Türöffnung nicht völlig Dunkelheit sondern helles Licht sehen. Wenn die Tür eurer Seele offen stehen wird, wird durch diese Tür auf euch das Göttliche Strahlen des ewigen Lebens reichlich herabkommen. Es sind drei Hauptwege zur Erleuchtung des Bewusstseins möglich: der eine ist Meditation, der zweite - Liebe, der dritte - Tod. Der letzte Weg ist der wichtigste von diesen dreien, denn der Tod ist eine Erscheinung, die für jeden Menschen natürlich ist.

Was Meditation anbetrifft, so könnte man leben, ohne zu wissen, was so etwas gibt. Um nur zu versuchen, sich in diesen spezifischen Zustand des Bewusstseins zu versetzen, müsst ihr euch oft sehr viel Mühe geben, ihr müsst ein inneres Bedürfnis danach haben und versuchen euch selbst auf geistigem Plan ausführlich zu erforschen und suchen, suchen, suchen...

Zu dieser geistige Suche sind nur wenige Menschen karmisch und evolutionsmässig vorbereitet. Die wahre, tiefe Meditation ist schwerer, komplizierter und problematischer, als es auf den ersten Blick zu sein scheint. Sehr wenige Menschen können es sich leisten, auf dieses hinreissende, aber schwere Abenteuer zu begeben.

Nur sehr wenige Menschen gehen den Weg der wahren, tiefen Meditation zur Erleuchtung des Bewusstseins. Das sind Menschen, deren vergangene karmische und geistige Ansammlungen in dieser ihrer Verkörperung die grösste Selbstentfaltung des Bewusstseins auf diese Weise fördern. Bei weitem nicht alle von denen, die meinen, dass sie Meditation üben, machen es in Wirklichkeit.

Deshalb bleiben für die meisten Menschen die einzige Möglichkeit der Erleuchtung die Liebe und der Tod... Die wahre Liebe als das erhabenste menschliche Gefühl ist natürlicher in diesem Bezug, denn sie schafft in eurer Existenz etwas über die Wirklichkeit und die Gefühle, das, was selbst nach eurem Tode nicht aufhören oder verschwinden kann.

Aber eine wahre Liebe kann in eurem Leben vorkommen oder auch nicht. Sie ist nicht ebenso unvermeidlich wie der Tod. Millionen von Menschen wählen Leben ohne Liebe, sterben aber nicht daran. Sie leben normal, sind mit sich und ihrem Leben sehr zufrieden, aber sie lieben nie jemanden ausser sich selbst.

Deshalb kann man Liebe zu etwas Lebensnotwendigem nicht einbeziehen, man kann sie nämlich leicht vermeiden oder verpassen sowohl im Leben als auch im Tode. Wenn die meisten Menschen in ihrem Leben sogar Liebe verpassen, ohne ein Bedürfnis danach zu haben, was kann man da über Meditation sagen?

Es bleibt nur der Tod, den man einfach nie verpassen kann, wenn es kein plötzlicher Tod ist. Die Möglichkeit das bewusste Erlebnis des eigenen Todes zu verpassen, bedeutet die Möglichkeit der Begegnung mit Gott zu verpassen, denn nur im Tod blühen zwei weitere Möglichkeiten der Erleuchtung die Liebe und die Meditation selbsttätig auf.

Mit seiner Ankunft wird der Tod in dem euch entgleitenden Strom der euch gewohnten Existenz alle eure früheren Angebundenheiten, alle eure Wünsche fortbringen. Erst nachdem alle eure erfundenen Leidenschaften und stumpfsinnigen Wünsche vom Tode vernichtet wurden, wird die Energie der Liebe rein ersterschaffen sein, so wie sie vor eurem grob materiellen Erscheinen in dieser Welt war.

Also, von drei Hauptwegen zur Erleuchtung des Bewusstseins bleibt bei jedem Menschen nur der eine - der Tod mit seiner Unberechenbarkeit, Verbindlichkeit und Unvermeidlichkeit. Keiner kann seinen Tod weder vermeiden noch verändern. Er ist absolut, es ist unmöglich, weder sich von ihm loszukaufen noch ihn auszuweichen.

Er existiert neben uns immer, er ist einfach jeden Augenblick unseres Lebens da, wie es immer die Luft, den Himmel, die Erde gibt. Jeder auf der Erde muss ihn durchmachen. Alles, was ihr machen könnt, ist, ihn zu akzeptieren: entweder mit Freude, weil alle euren physischen Leiden bald beendet werden oder ungern und, sich mit Angst und stumpfer Hartnäckigkeit an die euch fliehende Illusion des Lebens klammernd.

Entweder verstehen viele Menschen nicht oder machen sich keine Gedanken darum, dass ihr Tod nur das wegnehmen kann, was sie PERSÖNLICH besitzen. Das aber, WAS SIE IN WIRKLICHKEIT SIND, was sie real darstellen, kann der Tod nicht wegnehmen. Wenn ihr Geld, Macht, Kraft, Ruhm besitzt, werdet ihr das alles auf einmal verlieren und die Trennung davon macht den Tod für gierige und herrschsüchtige Menschen einfach schrecklich. Aber einiger nicht materieller, geistiger Ansammlungen werdet ihr euch in euch nicht immer bewusst, obwohl ihr das sowohl hier als auch nach dem Tode besitzen könnt.

Zum Beispiel, wenn ihr oft meditiert, wird Meditation zu einem Teil eurer inneren Welt und kann nach eurem Tode hier, in der materiellen Welt nicht bleiben, denn sie wird eng mit eurem Bewusstsein verbunde. Meditation ist das, was allmählich zur qualitativen Charakteristik eurer Existenz wird. Es ist das, was die innere Seite eures Lebens beobachtet, das ist eure innere Persönlichkeit.

Wenn ihr jemanden sehr stark liebt, wird diese Liebe auch zum Teil von euch selbst. Ihr besitzt eure Liebe auch nicht, das ist kein Eigentum, das ist die Qualität eurer Existenz. So bleibt während des Todes und danach euer inneres Reichtum mit euch, und alles Äussere, das ihr im Durcheinander dieser Welt angesammelt habt, wird weggenommen.

Deshalb, solange ihr die seelische Ruhe im Leben nicht erreicht, kann sie von euch auch im Tode nicht erreicht werden. Alles Schöne und Erhabene, was ihr in eurem Leben erreichen könnt, könnt ihr auch nach dem Tode behalten und nicht umgekehrt. Wenn ihr in eurem Leben eine tiefe Meditation erreicht habt, dann wird euer Tod zu eurer tiefsten Meditation werden.

Wenn ihr hohe und reine Liebe erreicht habt, dann wird der Tod für euch die reinste und höchste Liebe sein. Wenn ihr mit eurem ganzen Leben Gott erreicht habt, wird euer Tod die schönsten Erwartungen übertreffen, er wird Göttlich. Deshalb wenn ihr in eurem Leben die wahre Liebe nicht verpasst, wenn ihr auch mit der Meditation bekannt seid, dann wird es für euch keine grosse Mühe sein, sich in dem bestimmten Augenblick mit eurem eigenen Tode näher bekannt zu machen.

Das wird einfach eine der tiefsten und hinreisendsten eurer Meditationen, denn es wird nicht nötig sein, sich mit der Ablenkung der Aufmerksamkeit durch den eigenem Körper zu beschäftigen. Der Tod nimmt euch euren Körper weg, er nimmt auch für immer euren verständlichen und unruhigen Verstand weg, - was kann besser für den Ausdruck von Liebe und für die Entstehung der wahren Meditation sein? Nur das wahre Zeugnis bleibt und das ist gerade die tiefe Meditation.

Jeder Tod ist die Möglichkeit für einen geistigen Sprung, für einen Durchbruch des Bewusstseins auf dem Weg noch grösserer Individualisierung in Göttlicher Einheit. Der Tod ist nur für diejenigen erschreckend neu, der in seinem Leben nie aufrichtig und selbstlos geliebt hat und, wer die Meditation nie versucht hat. Er stellt die höchste Art der Liebe und die höchste Art der meditativen Energie dar, aber er bringt mit sich nichts Neues ausser dem, was ihr schon einmal in eurem Leben erlebt habt.

Wenn ihr in eurem Leben sowohl Liebe als auch Meditation erfahren habt, dann wird der Tod imstande sein nur das zu entdecken und in eurem Bewusstsein ganz zu enthüllen, was ihr schon vorher in Liebe und Meditation entdeckt und erlebt habt. Es wird aber während des Sterbens viel deutlicher zum Vorschein kommen: das, was in der Meditation und Liebe nur eine Andeutung, ein flüchtiger Schein war, wird für euch im Tode "real" sein.

Der Tod vernichtet nie eine hohe und uneigennützige Liebe. Er reinigt einfach eure irdische Liebe vom nutzlosen gefühlsmässig-emotionalen Kram und befreit die Gedanken von der krampfhaften Produktivität des Verstandes. Dadurch wird eure Meditativität erhöht. Während des Sterbens und danach im Tode selbst werden alle Aspekten eures Bewusstseins und eure wahre Liebe vom vorewigen Göttlichen Licht sorgfältig bespült. Sie werden danach ganz rein und erneuert, bereit auf das weitere Schaffen nach dem Tode sein.

Wenn ihr euch dem Anbruch des Todes widersetzt, werdet ihr eines der wichtigsten und einmaligsten Erlebnisse verpassen, das euch nur euer irdisches Leben schenken kann. Eine andere Möglichkeit, diesen ungewöhnlichen Zustand des Bewusstseins bewusst zu erleben, werdet ihr nie mehr bekommen: im anderen irdischen Leben wird schon eine andere Persönlichkeit, und nicht ihr, wird die gleiche einzigartige Möglichkeit bekommen.

Deshalb wenn ihr das Annähern eures eigenen Tode spürt, im Augenblick des Übergangs, wenn ihr schon ganz untätig werdet, könnt ihr den Tod als einmalige Möglichkeit für die tiefste von allen eurer Meditationen benutzen. Die Energie, die seitens der Aussenwelt freigesetzt wird, während des die Seele den physischen Körper verlässt, kann von eurem Bewusstsein nach innen, in sich selbst, in das Zentrum eures eigenen Geistes richtet werden.

Wenn ihr euren Tod leicht und froh annehmt, dann wird dieses Erlebnis für immer bei euch bleiben und wird zur grössten Perle eurer Lebenserfahrung. Es ist kein Geheimnis, dass nur Zen - Meister ihre Schüler schlagen. Es kommt manchmal vor, dass ein Schüler während solcher unerwarteten Schläge sogar plötzlich stirbt. Für die Aussenstehenden und die Menschen, die Zen nicht verstehen, sieht eine solche Tat wie die Demonstration des Wahnsinns, Gewalt und übermässiger Grausamkeit des Meisters aus.

Aber ein wahrer Meister kann nicht grausam sein, denn er weiss sehr gut, dass KEINER JEMANDEN JEMALS TÖTET. Manchmal, wie wir schon oben gesagt haben, kommt es vor, dass der Augenblick des Todes mit dem Augenblick der Erleuchtung zusammenfällt. Viele haben gesehen, wie der Körper des Schülers im Augenblick des Schlages vom Stock des Meisters tot zusammentreffen.

Aber nicht jeder kann sehen, wie tief in seinem Inneren sein Bewusstsein ungestüm in die Höhe auffliegt und sich vom niedrigsten, unnötigem "Ego" befreit, genauso wie der Ton vom in ihm geglühtem Metall abfällt. Das kann mit dem geistigen Blick nur ein wahrer Meister, ein Lehrer sehen. Das ist aber keine der raffinierten Formen der Grausamkeit, das ist die höchste Form des Mitleids, wozu nur grosse Meister fähig sind.

Man muss über ein grosses Feingefühl und Hellsehenfähigkeit verfügen, um den Augenblick des sich annähernden natürlichen Todes seines Schülers zu verspüren und ihn mit maximalem Nutzen für seine geistige Erleuchtung zu benutzen. Wer es weiss, wartet immer mit Bereitwilligkeit auf seinen Tod, um eine einmalige Möglichkeit zu benutzen, seinen Geist vom sich rasend drehenden karmischen Rad irdischer Leben zu befreien.

Millionen Unwissender, die die Tatsache des Lebens nach dem Tode nicht anerkennen und jeden auslachen, der etwas Ähnliches behauptet, sind nicht imstande, sogar über ihr einziges Leben zu verfügen, während ein Weiser auch seinen Tod mit grösstem Nutzen für sich selbst verwendet. Wenn ihr bewusst sterbt und wenn ihr euch euer ganzes Leben lang auf diesen Augenblick sorgfältig vorbereitet, dann kann euer Tod zu einem Wendepunkt im Rad der irdischen Existenz eures Geistes werden.

In diesem wichtigen Augenblick kann das Rad irdisches Lebens für euer geistiges Wesen auch stehenbleiben. Wenn ihr mit klarem Bewusstsein sterben könnt, wenn euer Körper nach und nach stirbt, ihr aber in seinem inneren wachsam und bewusst bleibt, wird es euer letzter Tod sein und eure Seele braucht nicht wiederaufzuleben, um auf der Erde noch etwas anzueignen und zu verstehen.

Zum Augenblick des Todes werdet ihr Wissend und diese Welt bleibt nicht mehr geheimnisvoll für euch, denn sie wird von euch völlig erfahren werden. Deshalb sagt man, dass ein erleuchteter Mensch nie mehr auf die Erde kommt, es sein denn um irgendwelche äusserst wichtige gemeinmenschliche Missionen zu erfüllen.

Es ist schwer, über den Tod zu meditieren, denn ihr könnt nur beobachten wie die Anderen sterben, aber das ist nicht eure eigene Erfahrung, diese Beobachtung, wie sorgfältig sie auch sein mag, wird zu keinem wirklichen Eintritt in den Tod. Das ist ein fremder Tod. Sogar nachdem ihr unsere Bücher gelesen habt, können sich bei euch nur Wissen und Optimismus bezüglich der euch erwartenden Existenz nach dem Tode vergrössern.

Aber die Seele kommt auf die Erde, um die Erfahrung zu sammeln, denn nur die Erfahrung kann dem Menschen eine volle Sicherheit bei der Lösung dieser oder jener Probleme, darunter auch Probleme des Todes geben. Es ist unmöglich, mit Hilfe eines theoretischen Wissens die Angst vor dem Tode zu überwinden.

Sie wird euch ständig verfolgen, euch auf die Fersen treten, solange ihr selbst das nicht erlernt, was alle Eingeweihte beherrschen - die Kunst des Sterben, bis ihr selbst ganz sicher seid, dass ihr den Tod besiegen könnt, wann immer er auch kommt. Nur die Sicherheit rettet vor Angst.

Aber die Sicherheit wird nicht nur durch die Erfahrung, sondern auch durch Wissen gespeist: um sich im Augenblick des Todes richtig zu verhalten, müsst ihr alles wissen, was mit euch geschehen soll. Aber bis ihr euch an eure vergangene Leben erinnern könnt, werdet ihr nichts über den Tod erfahren.

Deswegen hat Buddah vor allem mehrere Techniken wieder ins Leben gerufen, die mit dem Erinnern der vergangenen Leben verbunden sind. Viele davon geben wir wieder in unserem Buch "Geist der Meditation", deshalb werden wir hier nur allgemeine Fragen betrachten, ohne die ihr nicht versteht, wovon die Rede ist.


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